Donnerstag, 17. Dezember 2009

Hört der Engel helle Lieder

Langsam wirds auch in mir weihnachtlich. Ich bereite mich auf die Christvesper vor, plane den Ablauf, meditiere den Predigttext.
Der erschien mir zunächst ausgesprochen unpassend zum Heiligen Abend. Aber nun bin ich schon etwas versöhnter. Aus dem Brief an Titus, Kapitel 2 - mir wäre eher nach Evangelium gewesen, aber ich lass mich drauf ein und prompt wird es weihnachtlich.
Gottes Menschenfreundlichkeit ist uns allen erschienen - das ist kein Kitsch und keine Utopie, das ist REALITÄT!


"Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken." (Tit 2,11-14)

Ein Monstersatz, der es in sich hat; man muss ihn auflösen, um ihn verstehen zu können:

Die Gnade Gottes - seine Menschenfreundlichkeit
Gott als Krippenkind, das uns verzaubert, in den Bann zieht, fasziniert, und ganz und gar nicht kitschig ist.
In Zucht nehmen, besser: erziehen - Orientierung und Halt geben, Verständnis und Zutrauen schenken und immer wieder Ermutigen - DAS ist das Ziel, das Wesen von Erziehung. Das verändert die Menschen.
Die Folgen: Gottes Menschenfreundlichkeit will uns verändern, nicht im Unverbindlichen lassen. So wie wir freundlich angeschaut werden, können wir andere freundlich anschauen und freundlich sein.
Unsere Begierden stehen als hartes Gegenüber, brauchen Begrenzung, Heilung, Korrektur.
Jesus ist das Gegenüber dieser Begierden, der Begrenzer, Heiler, das Korrektiv in Liebe.
Dorothee Sölle hat mal gesagt:
Christ sein heißt, das Recht haben, ein anderer zu werden!
Weihnachten ist für mich Hoffnung auf ein freies Leben, auf Veränderung, die mich nicht knechtet.

Und dann habe ich ein Lied wiederentdeckt und ein Arrangement, das mir Weihnachten ins Haus gebracht hat:

http://www.youtube.com/watch?v=wom-yTyBQZM&NR=1

Also nichts wie los, Weihnachten steht vor der Tür. Gott wurde Mensch, damit wir mit ihm leben können. Der Erlöser ist da!

Freitag, 4. Dezember 2009

im Rausch der Zeit

Dieses Video hatte ich vorgestern in meinem Adventskalender ...

http://www.youtube.com/watch?v=pydaov5X0hk&feature=player_embedded

Könnte ich mir immer wieder anschauen.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Freiheit

Albert Camus hat einmal gesagt

Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus
Pflichten.

Diesen Satz muss man sich mal langsam auf der Zunge zergehen lassen. Ich habs getan und tue es immer noch und irgendwas schmeckt besonders. Ist es die Absolutheit in seiner Formulierung? Ist es die Ahnung, dass das Verstehen des Satzes die ganze Welt verändern könnte? Auf der Zunge zergehen lassen, den Satz begreifen, ihn durchdringen. Ich bin überrascht, wie sehr ein einziger Satz mich beschäftigen und beeindrucken kann. Und wie sehr ich mich durch ihn hinterfrage.

Camus war ein Philosoph und ich bin weit davon entfernt, ein ebensolcher zu sein. Doch ich werde das Gefühl nicht los, dass es sich hier um mehr als eine nette Aneinanderreihung von Worten handelt. Es ist mehr als die Kunst des Literaten.

Freiheit. Die meisten Menschen denken vermutlich: Was Freiheit ist, bestimme ich immer noch selbst. Oder: Solange du meine Freiheit nicht bedrohst und einschränkst, können wir miteinander auskommen.

Privileg oder Pflicht?

Es ist beides und das wird auch deutlich, doch es ist eben das eine mehr als das andere und diese Gewichtung, maße ich mir an zu behaupten, ist nicht Mainstream.

Da muss ich dran bleiben:
Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - die Maxime der französichen Revulotion. Ich habe darüber bei Ulrich Wickert gelesen und mir ist klar, Freiheit ist das höchste Gut, das wir Menschen haben. Doch können wir damit überhaupt umgehen? Ist es nicht eher so, dass wir Freiheit mit Freizügigkeit und Beliebigkeit, Gleichheit mit Gleichgültigkeit verwechseln? Brüderlichkeit oder auch Solidarität klingt heute eher abgefahren. Es reicht doch, wenn man sich um die Seinen bemüht - oder?

Freiheit bedeutet Verantwortung. Verantwortung für meinen Lebensstil und Verantwortung für das, was um mich herum passiert. Freiheit - 20 Jahre nach dem Mauerfall ist sie immer noch oder schon wieder etwas Besonderes, etwas, um das wir uns bemühen müssen, das uns Pflichten auferlegt. Doch ich glaube, dass diese Pflichten nicht bitter sind. Es sind Dinge, die einfach zum Menschsein dazu gehören. Der Mensch ist immer insofern Mensch, wie er bereit ist, dem anderen Wertschätzung, Respekt und Gemeinschaft zu geben.

Es gibt noch viel, was mir durch den Kopf geht - was so ein einzelner Satz alles auslösen kann. Ich bin tatsächlich überrascht. Doch für den Moment erst einmal genug.

Dienstag, 24. November 2009

so schön, schön war die Zeit

Ich habe tolle Tage hinter mir.
Ja, ich war auch krank, und das war nicht so schön. Aber meine Freundin Kiwi kam und wir hatten eine sehr intensive Zeit, mit viel Reden und auch Schweigen und vor allem Alltag leben. Wenn man einen Freund hat, mit dem so etwas gelingt, kann man sich als reich beschenkt bezeichnen. Und ich bin so reich beschenkt.
Mir ist aufgefallen, dass ich von Bremen noch nicht allzuviel weiß und kenne. Das ist sicher auch kein Wunder, denn ich müsste mir, um das zu ändern, explizit frei nehmen. Also habe ich etwas von der Zeit mit Kiwi genutzt, um ein wenig mehr "Einblick" in Bremen zu bekommen. Wir waren im Schnoor - ein unglaublich schönes Eckchen mitten im Zentrum. Uralte Häuschen, süße Geschäfte. Und die Sonne schien - hin und wieder. Obwohl es den Rest der Zeit regnete und ich den Eindruck hatte, dass es nie wieder hell wird, waren es sechs wundervolle Tage, die ich mit Kiwi verbrachte.

Und ich war in Elstal, auf einem Symposium, einem THEOLOGISCHEN Symposium.
Gerechtigkeit und gute Werke - Überlegungen zur Bedeutung diakonischen Handelns für die Glaubwürdigkeit der Glaubenden, so das Thema dieses Symposiums am Theologischen Seminar. Es war großartig. Sehr gute Vorträge, interessante Aussprachen und ich habe gemerkt, wie sich mein Profil verschärft hat. Wenn DAS nicht ein grandioses Erlebnis ist, dann weiß ich auch nicht. Ich weiß nun, dass ich tatsächlich noch weniger Lutheranerin bin, als ich dachte. Ich hätte nie geglaubt, dass in mir ein kleiner Pietist lebt. Aber so ist es und ich schäme mich nicht dafür - ich bin nur etwas überrascht. Aber vielleicht muss ich darüber noch etwas reflektieren. Auf jeden Fall ist für mich klar, dass mein Glaube an Jesus Christus tätige Wirkung haben muss - auch um glaubwürdig zu sein, vor allem aber, weil es eine notwendige Reaktion ist, wie etwa auf das Einatmen das Ausatmen folgen muss, will ich leben. Tätige Wirkung meint für mich aber keine Frömmigkeitsübungen im klassischen Sinn (von daher also doch keine Pietistin), sondern getreu dem Matthäusevangelium, Kapitel 25 ab Vers 31 - "was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan" - geht es nicht anders, als den Menschen Mensch zu sein, und zwar aus der Liebe Gottes zu mir heraus.

In Elstal traf ich auch auf liebe Freunde und wohnte bei tollen Menschen. Lea und Wencke gilt mein herzlicher Dank für ihre Gastfreundschaft. Genauso toll, wie Freunde zu haben, mit denen man Alltag leben kann, ist es nämlich, Freunde zu haben, die einem ein Heimatgefühl geben können. Ich habe die Zeit sehr genossen.

Nun hat der Alltag mich wieder und ich muss/ darf mich auf das Bibelgespräch, den Gemeindeunterricht und den kommenden Sonntagsgottesdienst vorbereiten, bei dem ich diesmal die Moderation übernehme - es predigt Volker Bohle, von der EBM. Darauf freue ich mich schon sehr - vor allem auf unsere Begegnung...

Dienstag, 27. Oktober 2009

Ich mag Kinder

Ja, entgegen allen bisherigen Aussagen meinerseits muss ich bekennen: "ich mag Kinder".
Vor allem dann, wenn sie so cool sind, wie "meine" Gemeindeunterrichtkids.
Sie wagen es noch, ihre frommen Richtigkeiten zurückzustellen und ihre wahren Gedanken und Unverständnisse zu formulieren. Wie cool ist das denn!
Diese fast-Teens sind mutig und verstehen, dass sie nicht alles glauben dürfen, was ihnen als einzige Wahrheit verkauft werden soll. Ich meine mal im Ernst, wenn wir es nicht wagen, unsere Vorstellungen und Vorverständnisse zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, wie sollen wir jemals eine befreite Gottesbeziehung haben und leben?
Ich versuche gerade, eine solche Beziehung zu Gott zu entwickeln. Ich meine Gott hat diese Beziehung zu mir ja längst, doch MEINE Vorstellungen von IHM/IHR sind oft so begrenzt, dass Gott zu einem Götzen zu verkommen droht. Wie habe ich neulich in einem Video zu emerging church gesehen: "ich glaube, dass unsere Kirche viel zu klein ist für diesen großen Gott". Ja, ich bin Teil dieser Kirche und meine Denke ist auch viel zu klein für diesen großen Gott. Doch die Kids im Gemeindeunterricht trauen sich, wenn man sie lässt, alle einengenden Vorstellungen über Bord zu werfen und Fragen zu stellen.

Ich lese gerade "Die Hütte - ein Wochenende mit Gott" und ich kann nur sagen, ein Muss für jeden, der Fragen hat. Wer seine begrenzte Vorstellung von Gott erweitern will, sollte dieses Buch gelesen haben. Auf dem Cover steht in etwa: Dieses Buch verändert alles. Ja, das stimmt, ich erlebe es so und ich bin begeistert davon.
Gott will, dass wir ein befreites und von ihm/ihr abhängiges Leben führen. Das will ich auch. Und ich will meinen Gott größer verstehen. Klar, kognitiv ist das ja auf jeden Fall möglich. Doch was ist mit meinem Herzen, mit meiner Seele? Verstehe ich mit meinem ganzen Sein, dass Gott größer ist, als ich denken kann? Selbst wenn ich mir noch so große Mühen gebe, ich kann diesen Gott nicht ergreifen. Aber das macht mir keine Angst mehr.
Morgen werden wir in der Bibelstunde anfangen, mit den Sendschreiben an die Gemeinden aus der Offenbarung des Johannes zu arbeiten. Das wird sicher sehr gut - wenn wir es schaffen, den Texten ganz offen gegeüber zu treten. Ich freue mich drauf und bin total gespannt, was die Leute aus der Gruppe so beitragen. Das sind alles Erwachsene - vll wäre es cool, die Kids aus dem GU dabei zu haben. Ich muss darüber mal nachdenken ...

Dienstag, 6. Oktober 2009

Alltag? - nee, nich wirklich

Heute hab ich mal Zeit, meinen Blog auf Vordermann zu bringen. Seit meiner Ordination sind wirklich schon anderthalb Monate ins Land gegangen - ein Wahnsinn. Und tatsächlich, Alltag ist bisher nicht in Sicht. Ich bin nicht mehr nur am Hecheln und hinterherjagen. Die Vorbereitungen für die Gottesdienste laufen gut und ich schaffe es sogar, mich hin und wieder zu erholen. Aber Alltag ist das nicht. Und das ist auch gut so - diese berühmt gewordene Phrase passt doch wirklich an vielen Stellen im Leben.

Ich war in Potshausen, zur Pastorenstudientagung. Thema - Kirche, so! oder auch anders? Und natürlich ging es vor allem um emerging church. Eines meiner Lieblingsthemen. Dagmar Wegener und Carsten Hokema waren die Referenten. Es ist schade, dass die Zeit immer so begrenzt ist. Das Thema ist so groß, da könnten wir eine ganze Woche drüber referieren und debattieren und würden dennoch nicht zum Ende kommen.
Wie kann Kirche in Bewegung kommen und/oder bleiben? Wie kann Kirche in der heutigen Zeit relevant sein oder werden? Dürfen wir uns dem mainstream anpassen oder müssen wir profiliert unser eigenes Ding machen? Oder gibt es ein Dazwischen? Und was ist mit der Gefahr der Beliebigkeit? Und wie gehen wir miteinander um? Was ist mit denen, die bei eventuellen Veränderungen auf der Strecke bleiben?
Meine Haupterkenntnis - eigentlich eher eine Vertiefung des bisher Gewussten - ist die Tatsache, dass wir Zeit haben. Wir müssen und dürfen uns nicht hetzen lassen. Hetze bestimmt den Alltag vieler Menschen heute - Langsamkeit ist für mich ein wichtiges Stichwort im Zusammenhang mit ec. Back to the rules. Die Wüstenväter und Mütter waren ein weiteres Stichwort, das immer wieder fiel. Die Menschen hatten zu allen Zeiten die Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung, nicht erst wir heute. Doch ich habe den Eindruck, dass es heute schwieriger ist, in der Laustärke und den vielen Ablenkungsmöglichkeiten (die ja auch ihre Berechtigung haben und teilweise sehr hilfreich sind) Ruhe und Abschalten zu finden. Ich sehne mich nach Kontemplation und Einkehr, da bin ich mit Sicherheit nicht allein auf der Welt.
Uns ist als Christen zugesagt, Licht und Salz in der Welt zu sein - also sollten wir nicht so tun, als müssten wir hinter den anderen herhecheln, sondern uns auf unsere Stärken besinnen. Unsere Stärke ist nicht Entertainment - das können andere besser. Sicher gibts auch eine Menge guter Entertainer unter uns, doch es ist mit Sicherheit nicht unsere Bestimmung, die Menschen um uns herum zu bespaßen.
Doch was ist unser Auftrag, unsere Bestimmung? Eine Andacht von Daggi auf unserer Tagung beschäftigte sich mit dem Werden Jesu auf der Erde - vom Mutterbauch über das Säuglingsdasein, das Teenageralter, bis er schließlich seiner Berufung und Bestimmung gemäß das Evangelium verkündete. Ich meine, das brauchte doch auch alles Zeit, da gabs doch keine Eile, kein "komm, diesen Entwicklungsschritt überspringen wir jetzt mal, wir haben keine Zeit zu verlieren". Sondern alles nach und nach. Oh man, das finde ich wirklich gut und es wäre cool, wenn wir es schafften, diese Langsamkeit wieder zu finden. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, unsere Berufung zu erkennen und unserem Auftrag gemäß Gemeinde Gottes zu sein.

Dienstag, 25. August 2009

Es ist vollbracht

Nun ist es also geschehen. Ich bin ordinierte Pastorin des BEFG in Deutschland K.d.ö.R., und das im Anfangsdienst.

Es war ein geniales Wochenende mit meinen Freunden und meiner Familie hier in Bremen. Es war ein genialer Gottesdienst und ich bin immer noch ganz berührt und bewegt, von den vielen eindrücklichen Begegnungen, den guten Wünschen und der tollen Feierei.
Die Bremer können feiern, soviel ist gewiss!

Stefan Stiegler, mein Freund und Mentor aus Studientagen (meine Güte, wie das klingt!), hielt die Predigt und nahm die Ordination vor. Es war unglaublich und ein sehr intensives Erleben.

Nun bin ich ordiniert und es fühlt sich GUT an.
Ich empfinde die Herausforderungen des Berufes als ein großes Geschenk.
In den Gesprächen mit den Menschen um mich herum, in den Momenten, wo Leute einfach ein offenes Ohr brauchen und/oder ein tröstendes Wort, in diesen Momenten weiß ich, dass ich hier richtig bin. Wenn ich an der Predigtvorbereitung sitze und so manche Stunde verstreicht, in der ich vor allem über die Relevanz des christlichen Glaubens für die Welt nachdenke, dann merke ich, dass ich angekommen bin. Wenn ich mit Kollegen und Mitarbeitern über verschiedene Fragen des Miteinanders nachdenke und über etische Fragen diskutiere, stelle ich fest, das ist es, was ich tun will.

Oh wie bin ich beschenkt und dankbar dafür.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Elstal - Bremen - Braunschweig - Bremen

Ja, so eine Überschrift hat es in sich - man kann was drunter schreiben, man kann es auch lassen oder einfach ein paar Wochen warten, bis sich das Thema von selbst erledigt hat.

Ich habe mich für den dritten Weg entschieden und es geht mir gut damit :)

Eigentlich hatte ich vor, von dem großartigen Empfang, den die Bremer uns bereitet hatten, zu berichten, danach von der Traumhochzeit von Katha und Kai, dann von der Putzaktion in unserer alten Wohnung in Elstal und schließlich von der Rückkehr nach Bremen - und dem zu-Hause-angekommen-Gefühl.
Doch das alles muss nun unterbleiben, weil es einfach verjährt ist und ich ins Schwafeln geriete, würde ich doch mit dem Erzählen anfangen. Und das würde mich und andere doch nur langweilen.

Auf ein Neues also - es wird schon und Bremen ist wirklich cool...

Mittwoch, 1. Juli 2009

Master ~arbeit ~predigt ~abschluss und STAR TREK

So, nun ist sie weg - seit einer Woche bin ich meine Masterarbeit los. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl - ambivalent - irgendwie schön und schrecklich zugleich. Schön, weil es endlich geschafft ist und schrecklich, weil da so "eine große schwarze Loch" war. Was tut man mit den Nächten? Ich hatte mich so ans Spätarbeiten gewöhnt, dass ich erst einmal nachts kaum zur Ruhe kam.

Aber keine Sorge. Die Masterpredigt steht ja auch noch aus. Ich habe sie schon gehalten. Zugegeben, eigentlich läuft es andersherum. Erst werden die ganzen Vorarbeiten, die einer Exegese entsprechen, erledigt, dann die Predigt geschrieben und DANN erst wird sie gehalten. Aber zum ausformulieren der einzelnen erledigten Arbeitsschritte war einfach keine Zeit. So habe ich zwar die Vorarbeiten erledigt, aber weder etwas aufgeschrieben, noch ausformuliert. Das folgt in den nächsten Tagen.

Gestern war "Last Evening" des Abgangsjahres. Ich hatte einen wahnsinnigen Spaß. Es war sehr kreativ, niveauvoll und lustig. Sehr sehr sehr gelungen - kann ich da nur sagen. Und das, obwohl ich von unserem "Last" noch sehr viele Dinge erinnere und unser Abschlusslied noch immer vor mich hinsinge. Na ja, sollte mir vll Sorgen machen?!?

Es ist sehr krass - keine drei Wochen mehr, dann sind wir hier weg. Ich brauche noch ein Abschiedsritual für mich, damit ich wirklich gehen und in Bremen echt ankommen kann. Am liebsten würde ich am Sa in die Stadt fahren, mit dem Zug um 8.30, mir bei Balzac am Dom einen Housecoffee kaufen, mich an die Spree setzen, der Stadt beim "Aufwachen" zusehen, in die Bib gehen und innerlich Tschüss sagen - ich liebe den Geruch der Bib der Theol. Fak. der HU - und dann an der Spree zum Hauptbahnhof gehen und heimfahren. Das wäre echt toll - vll schaffe ich es ja noch. Franz Grillparzer hat gesagt:

Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet
das Leben hindurch.

Recht hat er und ich werde für den Moment des Abschiednehmens sorgen, soviel ist sicher. Und wenn er schön wird - und das wird er - wird er für den Anfang in Bremen leuchten und das zusammen mit der Liebe, die uns von den Bremern jetzt schon entgegenkommt, sind die besten Bedingungen, die ich mir wünschen kann.

Gestern habe ich mit einer sehr guten Freundin lange gesprochen und sie hat mir gesagt, dass ich stolz sein kann, auf alles, was ich erreicht habe. Das fällt mir schwer und doch will ich versuchen, das zu erlernen - Stolz sein auf das Erreichte und nicht das Gefühl zu haben, dass es wieder nicht genügt. Es tut gut, solche Freunde zu haben. Sie sorgen auch für diese schönen Momente und ich werde das gestrige Gespräch in seiner Wirkung auf mich konservieren und mich erinnern und es einüben, stolz auf Vollbrachtes zu sein.

...

Tja, wer hätte das gedacht, nun ist es fast geschafft. Der Master scheint greifbar, der Abschluss fast in der Tasche. Ich werde etwas wehmütig. Aber das ist wohl nicht so verwunderlich.


eins noch:

Heute habe ich "Star Trek - die Zukunft hat begonnen" gesehen - meiner Meinung nach ist es der beste Teil von allen. Es war ausgesprochen unterhaltsam und kurzweilig und als das Ende nahte, war ich beinahe traurig. Also: EMPEHLUNG: Wer nicht total gegen Star Trek ist und sich einigermaßen auskennt mit der ersten Generation, sollte den Film unbedingt gesehen haben! (da fällt mir ein, dass ich meinem Bruder noch diese Empfehlung aussprechen muss ...)

Montag, 22. Juni 2009

Ein Titel muß kein Küchenzettel sein...

Ein Titel muß kein Küchenzettel sein. Je weniger er von
dem Inhalt verrät, desto besser.
- gotthold ephraim lessing -

Na denn, ich habs geschafft, meine Masterarbeit ist fertig. 21514 Worte, die hoffentlich die Korrektoren nicht langweilen werden. Wir werden sehen.

Nun, in Anlehnung an Lessing, überlege ich ernsthaft, ob ich den Titel ändern sollte. Ich finde nämlich, dass er wie ein Küchenzettel klingt:

"Die Arbeit mit Symbolen als didaktisches Konzept - Chancen und Grenzen der
Symboldidaktik und ihre Relvanz in der gegenwärtigen Gemeindekatechese."
- Küchenzettel?

Eindeutig Küchenzettel!

Aber vielleicht muss das bei Anfängern so sein. Und später, wenn wir "größer" sind, dürfen wir die Titel kürzen. Wie C.G.Jung, der eine Schrift unter dem Titel "Psychologische Typen" veröffentlicht hatte. Solche Titel mag ich. Da muss man sich nicht - wie bei meinem absurd langen Titel - den Satz erst mal aufschreiben, um ihn dann durchdringen und eventuell verstehen zu können. Also, in der Kürze liegt die Würze. Und in Zukunft will ich nie wieder so einen langen Titel über irgendeine Arbeit setzen. Ganz nebenbei schränkt so was auch sehr ein. Und das, obwohl man Offenheit vermutet. Aber Schluss jetzt. Ich warte auf die letzte Korrekturlesung meiner Ma und dann ab zum Binden und dann werde ich das Ding endlich los.

Es gibt ein Leben danach, es gibt ein Leben danach, es gibt, es gibt ein Leben danach, es gibt, es gibt ein Leben danach, es gibt ein Leben danach

Samstag, 20. Juni 2009

Ende in Sicht

Ich habs fast geschafft. Noch einen Unterpunkt bearbeiten, die Bilanz eleganter machen und kürzen, kürzen, kürzen ...

Aber dann ist es vollbracht und ich werde einen ganzen halben Tag frei machen. Da freue ich mich drauf.

Gerade ist mir ein wundervolles Zitat begegnet:
André Gide sagte mal:
Wenn ein Philosoph einem antwortet, versteht man nicht mehr, was man gefragt hat

Ist was dran - oder?

So, nun aber ran, los zum Endspurt. Meine Familie kennt mich schon kaum noch, mein Bett ist verwaist, mein Notebook und ich haben eine Intimbeziehung zueinander aufgebaut. Das kann nicht sein und muss sich dringend wieder ändern.

Ich will wieder leben und Lebenslust erfahren.

Also, Go Anja Go!

Donnerstag, 4. Juni 2009

Wie die Zeit vergeht ...

Anderthalb Monate, das ist wirklich lang.

So lange habe ich meinen Blog vernachlässigt. Und es ist vorerst kein Ende absehbar. Aber, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mir fehlen noch ca. 5000 Worte, die mit Inhalt zu füllen sind und die hoffentlich meine Masterarbeit vervollständigen. Und dann "nur" noch die Predigt und dann "nur" noch der Umzug...
Also, wie man sieht, FAST geschafft.

Aber dann, dann wird alles besser - versprochen

... vielleicht

... eventuell

... hoffentlich!

Montag, 27. April 2009

Pust, Keuch, Pffffffft.....

Ich war skaten, gerade eben, also FAST gerade eben. Aber meine Lunge fühlt sich immer noch so, als wäre es gerade erst gewesen. Ich bin total UNfit. Aber das soll sich ändern. Ab sofort werde ich nicht mehr so tun, als käme die Fitness über Nacht und im Schlaf. Ich werde wieder regelmäßig skaten gehen. Ganz nebenbei baut das auch Stress ab. Und wenn meine Masterarbeit kein Stress ist, dann weiß ich ja auch nicht...

Es geht voran, langsam, Stück für Stück und mal zwei Schritte zurück statt einen vor, aber es geht voran. Ich habe langsam den Eindruck, als könnte es doch noch eine wissenschaftliche Arbeit werden. Heute bin ich FREUD und JUNG begegnet und es macht fast Spaß, sich mit ihnen zu beschäftigen. Und der Mensch, der über die beiden schreibt, scheint zu wissen, dass nicht jeder immer und überall in Fremdworten badet und in Latein träumt. Das stimmt mich friedlich und zuversichtlich.
Aber dass die ganze Zeit die Sonne scheint und mich rauslockt und mich von meiner Arbeit abzuhalten versucht, das finde ich schon über die Maßen unfair. Ich tu aber so, als wäre draußen nicht herrliches Sommerwetter und als würde die Luft nicht voller süßer Düfte und verlockender Geräusche sein. Und dann gehts - nicht so sehr gut, aber es geht ...

Also, Master, ich komme!

Mittwoch, 22. April 2009

Aaaaaalles klaaar!

Also, der Satz, der mir gestern so Kopfschmerzen bereitete, ist gar nicht mehr so schlimm. Ja, ich finde nach wie vor, dass man seine Intelligenz und seine Schlauheit nicht auf einem Silbertablett durch die Gegend tragen muss. Und ich finde auch nach wie vor, dass kluge Worte noch kein Zeugnis für einen klugen Kopf sind. Und dennoch erfüllt es mich zumindest ein wenig mit Stolz, dass ich diesen Ätz-Satz möglicherweise geknackt habe.
Die Abständigkeit der Bibel meint wohl nichts anderes als ihre Sonderstellung, denn Abständigkeit ist nach Heidegger

der existentialistische Charakter der Sorge um den Unterschied mit den (abstrakt ausgelegten)Anderen, auch Man genannt.
Und wenn mich nicht alles täuscht, betont das Wort im Kontext "meines" Satzes lediglich, dass die Bibel ausgesprochen besonders - einfach anders - ist als alles andere.

Generativ heißt lt. Wahrig:
"die Zeugung betreffend, geschlechtlich".

ICH finde, das passt gerade gar nicht in "meinen" Satz, denn wenn ich statt generativ geschlechtlich einsetze, macht der Satz noch lange nicht mehr Sinn.
Nach langer Suche bin ich im dictionary auf die Übersetzung "produktiv" gestoßen.

Und plötzlich,
es war wie eine Erleuchtung:

"Mein" Satz machte Sinn.

Im Großen und Ganzen würde ich sagen, es war ein erfolgreicher Tag, denn ich habe einer fast zwei Tage alten Rätselaufgabe die Lösung und damit ihr Ende gebracht. Wenn das nichts ist, dann weiß ich auch nicht.
Es wäre jedoch ausgesprochen dämlich, wenn noch mehr solcher rätselhaften Sätze im Zuge meiner Masterarbeit meiner harren, denn dann könnte ich frühestens 2012 mit einem vorläufigen Ergebnis meiner wissenschaftlichen Arbeit rechnen.

Ach ja, erwähnte ich schon, dass ich keine Probleme mit dem Ghostwriting habe?...

Dienstag, 21. April 2009

WISSENSCHAFTLICHKEIT

Könnte es sein, dass Wissenschaftlichkeit ein Synonym für Umständlichkeit und Kompliziertheit ist?
Ich habe den Eindruck, je wissenschaftlicher ein Autor wirken will, desto umständlicher und verwirrender schreibt er. Das scheint so eine Art Neurose oder Zwang zu sein. Auf jeden Fall ist das nicht normal.
Mein aktueller Lieblingssatz lautet:

Dabei ist die Bibel nicht mit der heutigen Lebenswelt zu fusionieren, sondern
ihre Abständigkeit als Tradition ist generativ zu nutzen.

Ja, das sehe ich genau so ...

Da dieser Satz einen ganzen Abschnitt einleitet, der für meine Arbeit relevant zu sein scheint, muss ich mein Hirn verrenken und hoffen, dass ich den Sinn doch noch verstehe.
Gibt es auch eine Formulierung für weniger schlaue Mitmenschen, also für Leute wie mich, denen da ein oder zwei Verstandeszellen fehlen?
Ich werde versuchen, den Satz auseinanderzunehmen und ihn ins Normalo-Deutsch übersetzt, neu zusammenzusetzen. Vielleicht gelingt es mir und ich wachse innerlich wieder ein Stück. Das wäre sehr erfreulich, denn schließlich kommt wahre Größe von innen (ja, genau wie die Schönheit). Und wer will nicht echt groß sein?

Nackig machen?

Wer bloggt, ist der ein Exhibitionist?


Es ist vielleicht was dran. Denn man muss schon die Neigung dazu haben, sich vor anderen zu entblättern und dabei auch noch Freude zu haben.

Ein Freund stellte heute fest, dass ich ja nun auch unter die Blogger gegangen sei und wünschte mir viel Spaß beim "nackig machen". An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für diesen lieben Wunsch.

Ich wollte schon immer mal darüber nachdenken, warum ich eigentlich so gern rede. Liegt es daran, dass ich eine Frau bin? Dann könnte der Grund für diesen Blog auch darin bestehen, dass ich meine Wortzahl nicht voll bekomme und überschüssige Worte einfach aufschreibe. Und dann kann ich den Verdacht, ich wäre exhibitionistisch veranlagt, von mir weisen. Ich glaube, diesen Weg mag ich.
Also, ich will mich nicht nackig machen, ich weiß einfach nur nicht, wohin mit den vielen Worten. Der aufmerksame Leser wird jetzt vielleicht sagen: schreib sie einfach in deine Masterarbeit.
Guter Versuch. Aber wenn ich das tue, kann ich nicht mehr für die Wissenschaftlichkeit derselben garantieren (was ohnehin schwer wird). Die Worte für die Masterarbeit entstammen einer anderen Kategorie. Müssen sie auch, denn was täten die Männer, wenn sie nur die "normalen" Worte für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung hätten?
Also, ich muss meine Überkapazität anders abbauen. Da meine beiden großen Mädchen in der Schule, die kleine bei der Oma und mein Mann in Polen ist, bleibt mir nur noch das www. Aber das soll jetzt keine Klage sein. Im Gegenteil, ich merke zunehmend, wie es mir gefällt, mich hier zu "entblättern", im besten Sinne des Wortes.

Doch nun genug geschwafelt, zumindest für den Moment. Ich habe nämlich zu tun, meine Masterarbeit fühlt sich sträflich vernachlässigt und bevor sie abhaut und sich einen anderen Schreiberling sucht, werde ich ihrem Rufen nachgeben und mich wieder ran setzen.

Montag, 20. April 2009

Blog ist neutrisch bis maskulin

Ich habs rausgefunden. Wikipedia sei Dank!
Ich hätte natürlich auch in den Duden oder den Wahrig schauen können, aber das wäre nicht so schnell gegangen. Und ich hätte für den Wahrig in die Bibliothek laufen müssen, denn ein solcher fehlt mir noch in meiner Sammlung. Und überhaupt, da ich nachher noch Kaffee trinken möchte und damit meine wissenschaftliche Arbeit schon wieder unterbreche, musste ich den leichteren Weg gehen und im welt-weiten-netz nach Antworten suchen.

Also, wiki sagt:

Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als Bloggen bezeichnet. Die
Begriffe „Blog“, „Blogger“, „Bloggerin“ und „Bloggen“ haben in den allgemeinen
Sprachgebrauch Eingang gefunden und sind in
Duden und Wahrig eingetragen.
Die sächliche Form ('das Blog') wird dort als Hauptvariante und die maskuline
Form ('der Blog') als zulässige Nebenvariante genannt.



Ergo: Ich blogge, ich bin eine Bloggerin und MEIN Blog ist maskulin!

Schön, weiß ich wieder etwas mehr und nun zurück an die Arbeit.

Tag Eins

Tja, ich habe eine Reihe von Freunden, die bloggen. Also dachte ich, ich will das auch.
Ich habe keine Ahnung, wie aktuell ich sein werde. Noch weniger weiß ich, ob ich auch was zu sagen haben werde. Aber ich bin nun mal eine Rampensau und darum will ich sehen, wie weit ich komme.
Gerade müsste ich an meiner Masterarbeit sitzen und sie endlich fertigstellen. Aber was ist wohl wichtiger, als einen eigenen Blog (ist Blog eigentlich feminin, maskulin oder neutrisch? Ich muss mal darüber nachdenken oder mich zumindest informieren, bis dahin ist Blog maskulin, denn ich habe nur eine verschwommene Ahnung, wie man damit umgeht) zu erstellen? Na? Nichts, ist doch klar, auch keine Masterarbeit!

Ich habe nun also 5 lange Jahre Theologie studiert und da kommt so ein kleiner "Mount Everest" in Form einer Masterarbeit daher und will mich am Vollenden hindern und mein innerer Schweinehund legt sich auch noch quer.
Liebe Leute, diese Schweinerei muss eine andere werden.
Also vorerst Schluss mit bloggen (oder heißt es eigentlich bloggern?), jetzt wird gemastert ...