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Samstag, 3. Oktober 2015

Grund zur Dankbarkeit

In diesen Tagen gibt es einigen Grund, dankbar zu sein. 
Heute feiern wir 25 Jahre Wiedervereinigung. Was wäre, wenn es dieses Ereignis nicht gegeben hätte? Wo stünden wir heute? Sicher ist diese Frage nur sehr begrenzt ernst zu nehmen, gibt es doch keine Antwort darauf. Aber sie kann uns helfen, einmal zu reflektieren, welch unfassbare Gnade wir in unserem Land erfahren haben. Es war keineswegs klar und unaufhaltsam, dass sich die beiden deutschen Staaten vor zweieinhalb Jahrzehnten wieder vereinten. Ein Grund für mich, zu staunen, zu freuen, nachzudenken, zu resümieren. Nun wächst zusammen, was zusammen gehört - so hieß es damals. Doch ist dem wirklich so? Spätestens mit dem Mauerbau am 13. August 1961 begann auch eine Entwicklung, in der sich die Deutschen sowohl in Mentalität als auch in Wertvorstellungen und Traditionen voneinander entfernten. Ganz nebenbei wurde dieser Ausspruch Willy Brandts aus dem Kontext gerissen und für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten verwendet. Und doch: Dass wir heute mit Staunen und Dankbarkeit auf die Zeit des Zusammenwachsens (das noch lange nicht abgeschlossen ist), blicken können, ist für mich nicht selbstverständlich. Umso wichtiger ist mir unser solidarischer Umgang mit den Menschen auf der Suche nach Sicherheit und Frieden. Wir haben viel zu geben - ein Grund zur Dankbarkeit.

Morgen feiern wir Erntedank. Sicher, ich lebe in der Stadt, meine Begegnung mit Feldfrüchten und dem Ergebnis der Ernte beschränkt sich vornehmlich auf den Einkauf von Lebensmitteln. Wenn ich es schaffe, den Wochenmarkt aufzusuchen, gelingt es mir noch am ehesten, den Zusammenhang zwischen den Jahreszeiten und dem Ernteertrag herzustellen. Und doch löst dieser Tag jedes Jahr aufs Neue Dankbarkeit aus. Ich danke Gott für die Fülle, aus der ich leben kann. Ich danke Gott für den Rhythmus des Lebens, des Jahres, des Tages. Solange die Erde steht, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht. Diese Zusage steht in der Bibel, ganz am Anfang, im ersten Buch Mose.
Es gehört zu den wichtigen Dingen in meinem Leben, diesen Lebensrhythmus wahrzunehmen. Er gehört zur Schöpfungsordnung Gottes, die zutiefst lebenspendend ist. Ein Grund zur Dankbarkeit. 

Schließlich: Schaue ich mich in meinem Leben um und entdecke die vielen kleinen und großen Schönheiten, die Begegnungen und freudigen Erlebnisse, die Zeiten der Freude und die des Kummers, die Momente tiefsten Glücks und die schier unaushaltbarer Traurigkeit, entdecke ich jede Menge Grund dankbar zu sein. 

Mit diesem Grundgefühl möchte ich diesen Herbst erleben und gestalten, und ich lasse mich überraschen, was mir dabei alles begegnet.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Aus gegebenem Anlass ...





Glaube, Hoffnung, Liebe - diese drei. Die Liebe aber ist die Größte unter ihnen! (die Bibel, 1. Brief an die Gemeinden in Korinth, Kapitel 13, Vers 13)

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Gnade Gottes ohne Kleingedrucktes

Heute morgen war ich frühstücken - so richtig lecker und so richtig nett. Wobei ich an dieser Stelle betonen möchte, dass nett in diesem Fall NICHT die kleine Schwester von Sch... ist, sondern das Wort in seinem eigentlichen Wortsinn meint. Nett, weil ich auf meine Kollegen aus Bremen und umzu traf. Nett, weil es nette Gespräche mit viel Gelächter, Zuhören, Anteilnahme, Fröhlichkeit, etwas Ironie, Humor und Zuspruch gab. Nett, weil der Weg dorthin schon eine Freude war. Nett, weil das Grundstück der Gemeinde in Bremen-Blumenthal echt schön gelegen ist und ich das Gefühl hatte, schon fast außerhalb Bremens zu sein. (Allerdings befürchte ich, dass es auch wirklich fast außerhalb war.) Und nett, weil es beim Frühstück alles gab, was ich beim Frühstück gern esse - außer Eier, aber das ist in Ordnung. Zu viel des Guten wäre auch nicht gut!

Tobias Ennulat - Pastor eben jener Gemeinde hatte eine kleine Andacht vorbereitet. Am wichtigsten war mir dabei die Aussage, dass wir die Gnade Gottes ohne Kleingedrucktes verkünden sollten. Denn die Gnade Gottes gibt es tatsächlich ohne kleine fiese "aber's", "wenn - dann's", "Selbstbeteiligungen" und und und. In Anbetracht der Tatsache, dass wir am Sonntag einen Gottesdienst zum Reformationstag feiern werden, konnte ich diese Formulierung sogar noch für meine Predigt nutzen. Doch was mich am meisten begeistert und bewegt hat:

Gottes Gnade, seine Gerechtigkeit, ist für uns unverfügbar. Wir können nichts tun, damit wir gerecht sind, darum sind wir von der Gnade abhängig.

Das müssen auch und vor allem all die hören, die hoffen, durch irgendwelche frommen Übungen, demütigen Lebensweisen und richtigen Taten sich einen Vorteil zu verschaffen. Liebe Leute, es ist UNMÖGLICH, auch nur ein µ für uns entscheiden zu können. Gnade heißt Gnade, weil man nichts dazu tun kann, sie zu erlangen. Gnade ist unverfügbar, nicht einklagbar, mit nichts zu kaufen - Gnade liegt voll und ganz in der Macht dessen, der gnädig ist - oder eben nicht.
Ich rede hier von der Gnade Gottes, die in direktem Zusammenhang zur Gerechtigkeit Gottes steht. Gerechtigkeit ist keine Eigenschaft des Menschen, Gerechtigkeit ist eine Eigenschaft Gottes - schreibt Holger Finze-Michaelsen im aktuellen homiletischen Monatsheft. Und weiter: "Und die gibt er (Gott) nicht auf. Wollte er sie in dem Sinne ausüben, dass er die Guten belohnt und die Bösen bestraft - wer wäre dann so gut, dass er ausschließlich Belohnung verdient hätte? 'Sie sind allesamt Sünder.' Das heißt: Der Gottlose ist dem Frommen gleichgestellt." Das nenne ich mal harten Tobak!
Ist es denn dann egal, was ich glaube, wie ich lebe, worauf ich meinen Fokus richte, was mein Leben ausmacht?
Hier kommt die Erkenntnis Luthers ins Spiel:
„Das Evangelium macht ganz deutlich, wie man mit Gott wieder klarkommen kann. Und zwar nur dadurch, dass man sein Vertrauen auf Gott setzt. Es steht ja schon im Buch Gottes geschrieben: „Wer sein Vertrauen auf Gott setzt, wird leben“.

Brief an die Gemeinden in Rom, Kapitel 1, Vers 17 nach einer sehr modernen Übersetzung.
Den Text der Lutherübersetzung findest du hier.

Ist das nun das Kleingedruckte?
Nein! Denn das ist das Evangelium. Wer auf Gott vertraut, sich auf ihn verlässt, der wird erleben, dass Gott gerecht und gnädig ist. Wenn das kein Grund zu tiefer Dankbarkeit und großem Jubel ist, dann weiß ich auch nicht.
Mehr braucht es nicht - allerdings auch nicht weniger, um die Trennung von Gott zu beenden, die ewige Hetze nach dem Mehr, die Jagd nach Anerkennung, die Trauer im Versagen zu ertragen und zu überwinden. Nicht auf einen Schlag, nicht ganz plötzlich und ein für alle Male - aber immer wieder und immer wieder mit der selben Gewissheit, dass Gottes Gnade größer ist als alles, was ich mir an Schuld, Versagen und Leid aufgeladen habe.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Hört der Engel helle Lieder

Langsam wirds auch in mir weihnachtlich. Ich bereite mich auf die Christvesper vor, plane den Ablauf, meditiere den Predigttext.
Der erschien mir zunächst ausgesprochen unpassend zum Heiligen Abend. Aber nun bin ich schon etwas versöhnter. Aus dem Brief an Titus, Kapitel 2 - mir wäre eher nach Evangelium gewesen, aber ich lass mich drauf ein und prompt wird es weihnachtlich.
Gottes Menschenfreundlichkeit ist uns allen erschienen - das ist kein Kitsch und keine Utopie, das ist REALITÄT!


"Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken." (Tit 2,11-14)

Ein Monstersatz, der es in sich hat; man muss ihn auflösen, um ihn verstehen zu können:

Die Gnade Gottes - seine Menschenfreundlichkeit
Gott als Krippenkind, das uns verzaubert, in den Bann zieht, fasziniert, und ganz und gar nicht kitschig ist.
In Zucht nehmen, besser: erziehen - Orientierung und Halt geben, Verständnis und Zutrauen schenken und immer wieder Ermutigen - DAS ist das Ziel, das Wesen von Erziehung. Das verändert die Menschen.
Die Folgen: Gottes Menschenfreundlichkeit will uns verändern, nicht im Unverbindlichen lassen. So wie wir freundlich angeschaut werden, können wir andere freundlich anschauen und freundlich sein.
Unsere Begierden stehen als hartes Gegenüber, brauchen Begrenzung, Heilung, Korrektur.
Jesus ist das Gegenüber dieser Begierden, der Begrenzer, Heiler, das Korrektiv in Liebe.
Dorothee Sölle hat mal gesagt:
Christ sein heißt, das Recht haben, ein anderer zu werden!
Weihnachten ist für mich Hoffnung auf ein freies Leben, auf Veränderung, die mich nicht knechtet.

Und dann habe ich ein Lied wiederentdeckt und ein Arrangement, das mir Weihnachten ins Haus gebracht hat:

http://www.youtube.com/watch?v=wom-yTyBQZM&NR=1

Also nichts wie los, Weihnachten steht vor der Tür. Gott wurde Mensch, damit wir mit ihm leben können. Der Erlöser ist da!

Dienstag, 27. Oktober 2009

Ich mag Kinder

Ja, entgegen allen bisherigen Aussagen meinerseits muss ich bekennen: "ich mag Kinder".
Vor allem dann, wenn sie so cool sind, wie "meine" Gemeindeunterrichtkids.
Sie wagen es noch, ihre frommen Richtigkeiten zurückzustellen und ihre wahren Gedanken und Unverständnisse zu formulieren. Wie cool ist das denn!
Diese fast-Teens sind mutig und verstehen, dass sie nicht alles glauben dürfen, was ihnen als einzige Wahrheit verkauft werden soll. Ich meine mal im Ernst, wenn wir es nicht wagen, unsere Vorstellungen und Vorverständnisse zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, wie sollen wir jemals eine befreite Gottesbeziehung haben und leben?
Ich versuche gerade, eine solche Beziehung zu Gott zu entwickeln. Ich meine Gott hat diese Beziehung zu mir ja längst, doch MEINE Vorstellungen von IHM/IHR sind oft so begrenzt, dass Gott zu einem Götzen zu verkommen droht. Wie habe ich neulich in einem Video zu emerging church gesehen: "ich glaube, dass unsere Kirche viel zu klein ist für diesen großen Gott". Ja, ich bin Teil dieser Kirche und meine Denke ist auch viel zu klein für diesen großen Gott. Doch die Kids im Gemeindeunterricht trauen sich, wenn man sie lässt, alle einengenden Vorstellungen über Bord zu werfen und Fragen zu stellen.

Ich lese gerade "Die Hütte - ein Wochenende mit Gott" und ich kann nur sagen, ein Muss für jeden, der Fragen hat. Wer seine begrenzte Vorstellung von Gott erweitern will, sollte dieses Buch gelesen haben. Auf dem Cover steht in etwa: Dieses Buch verändert alles. Ja, das stimmt, ich erlebe es so und ich bin begeistert davon.
Gott will, dass wir ein befreites und von ihm/ihr abhängiges Leben führen. Das will ich auch. Und ich will meinen Gott größer verstehen. Klar, kognitiv ist das ja auf jeden Fall möglich. Doch was ist mit meinem Herzen, mit meiner Seele? Verstehe ich mit meinem ganzen Sein, dass Gott größer ist, als ich denken kann? Selbst wenn ich mir noch so große Mühen gebe, ich kann diesen Gott nicht ergreifen. Aber das macht mir keine Angst mehr.
Morgen werden wir in der Bibelstunde anfangen, mit den Sendschreiben an die Gemeinden aus der Offenbarung des Johannes zu arbeiten. Das wird sicher sehr gut - wenn wir es schaffen, den Texten ganz offen gegeüber zu treten. Ich freue mich drauf und bin total gespannt, was die Leute aus der Gruppe so beitragen. Das sind alles Erwachsene - vll wäre es cool, die Kids aus dem GU dabei zu haben. Ich muss darüber mal nachdenken ...